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Wilhelm Herd
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Ein Stadtschieferdecker in der Glanzzeit

Das Wormser Dachdeckerhandwerk hat Tradition, kein Wunder, denn eine Stadt, die zu den bedeutendsten des frühen Mittelalters gehörte, mußte dem Handwerk dieses Fachs einen besonderen Platz einräumen. Türmereich und von erheblicher Einwohnerzahl, ergab sich dies schon aus der Vielzahl kirchlicher, öffentlicher und Wohnungszwecken dienender Gebäude, Urkunden belegen bis in die Glanzzeit der Stadt im 14. Jahrhundert Namen von Dachdeckern, Schieferdeckern und Ziegeldeckern. Kirchen und Klosterbauten waren, wie man weiß, mit Schiefer eingedeckt. Schindel- und Strohdächer auf öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern wurden in den folgenden Jahrhunderten durch feste Ziegel- oder Schieferdächer ersetzt, was sich zunächst nur die Besitzer von Patrizierhöfen und Bürgerhäusern leisten konnten. Ein Stadtschieferdecker hatte im Auftrag des Rates der Stadt Türme und Tore mit Schiefer einzudecken. Ziegeldächer haben im späten Mittelalter das Stadtbild geprägt.


 

 
 
Das große Aus kam am Pfingstdienstag 1689. Französische Truppen zerstörten im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Stadt, in der trotz anderslautender Versprechungen auch der Dom nicht geschont wurde. Er trug ein Bleidach, und das glühende Blei floss in Strömen herunter. Reste der Bleideckung waren noch in späteren Jahrhunderten bei Arbeiten am Gotteshaus immer wieder zu entdecken. Worms versank nicht nur in Asche, es stürzte auch in Bedeutungslosigkeit. 5000 Einwohner ließen es zu einem unscheinbaren Landstädtchen absinken. Im Handwerksbereich zählte man gerade noch je 3 Dachdecker und Zimmerleute, ein halbes Dutzend Maurer, aber immerhin das Mehrfache an Wirten, Metzgern und Schneidern.


 
 

 

Die im zweiten Drittel des Jahrhunderts auf 10.000 Einwohner angewachsene Stadt, hervorgerufen ganz wesentlich durch die dominierende Lederindustrie, führte zwangsläufig zu neuen Handwerksbetrieben, wobei die Adressbücher der Jahrhundertwende dann schon ein rundes Dutzend Dachdecker, vorwiegend Meisterbetriebe, auswiesen. Seit 1866 ist die Firma Littig in Zeitungsanzeigen nachzuweisen. Schwiegervater Zirkelbach hat als Leyendecker schon beim Bau der Dreifaltigkeitskirche mitgewirkt. Sofia Zirkelbach heiratete 1834 den Dreher Sebastian Littig, der - würde man heute sagen - umsattelte und den Beruf seines Schwiegervaters Zirkelbach als Dachdecker auszuüben begann. Heinrich Littig hat sich nachweislich der Wormser Zeitung 1866 “als Schieferdecker etabliert und empfiehlt sich in allen in dieses Geschäft einschlagenden Arbeiten bestens ...”.
 
 
 
Zu den ältesten Urkunden des Dachdeckerhandwerks überhaupt gehört, wie eine Dokument bei der Kreishandwerkerschaft Worms nachweist, ein Geleitbrief des Dachdeckergesellen Conrad Heick, Sohn eines Meisters Andreas Heick aus Worms, aus 1749. Heick kam im selben Jahr nach Andernach und gründete dort ein Dachdeckungsgeschäft. Eine Enkelin, Anna Maria Heick, heiratete Johann Baptist Kraemer. Vier Generationen, wissen die Scobalitwerke Andernach, sind diesem ehrsamen Handwerk bis auf den heutigen Tag treu geblieben.
 

 

Die Wormser Innung, über die Nibelungenstadt hinaus angesehen, hat zeitbezogen und aus wirtschaftlichen Gründen noch zehn Mitglieder. Ihre Obermeister stehen für Kontinuität. Es waren in den jüngsten 33 Jahren nur drei: Heinrich Littig (1963 - 1977), Heinrich Stein (1978 - 1990) und seitdem Karl-Heinz Stein.